Die Saite

Dirk Jungbluth - Gitarrenbau seit 1988

Gedanken aus der Werkstatt


Wenn man an den langen Winterabenden in der Werkbank steht und den fünften Schleifgang an einer Zarge macht, hat man den Kopf für Gedanken recht frei.

Und in dieser Rubrik versuche ich einige dieser Gedanken niederzuschreiben, Gedanken, die sich ein Handwerker macht, wenn er sieht wie unterschiedlich sein Werkstoff Holz verhält, Gedanken über Traditionen, die sich gehalten oder weiterentwickelt haben, Gedanken zu Praxis und Theorie, Gedanken, wie man Kundenwünsche umsetzen kann, aber auch wie man den Kundenkopf von Halbwissen entrümpelt.

Nitro? PUR? .....ja, aber bitte nur hauchdünn!? sep.2011

Wenn der Baum geschlagen und in Bretter aufgetrennt ist, besteht Holz nur noch aus seinem Zellgefüge, den eingelagerten Stoffen wie Mineralien und Harze, sowie freiem und gebundenem Wasser.
Verdunstet das freie Wasser aus den Zellräumen und das gebundene aus den Zellwänden, gilt es den Werkstoff gegen Umwelteinflüsse, Insekten, Pilze und Bakterien zu schützen.
Es braucht aber dann keine „Nahrung“. Da „atmet“ auch nichts, und wird weder von Ölen, Lacken, oder gar Pflegemitteln dabei unterstützt oder gehindert.

Eine Lackierung soll das Holz des Instruments gegen Feuchtigkeit und Schmutz schützen, und – die natürliche Schönheit des Holzes hervorheben. Als noch mit Schellack poliert wurde, hat man, um das Holz zu grundieren, das Möbel mit Leinöl „eingelassen“ und man sprach vom „Anfeuern“ der Fläche. War das Öl nach 6-8 Wochen getrocknet begann der Lackierprozess. Sage heute mal einem Kunden, er solle zwei Monate mehr auf sein Instrument warten.

In den 1920ern wurden die neuen Nitrolacke von DuPont in den USA für die Autoindustrie entwickelt und auch die Möbelbranche bediente sich ihrer.

Seit den 30er Jahren waren die Instrumente der meisten Hersteller mit dem leichter zu verarbeitenden Nitrolack behandelt und Schellack wurde nur noch von kleinen Werkstätten verwendet.
Eine gute Schellackoberfläche ist in der Herstellung sehr arbeitsaufwendig. Die optische Wirkung und Betonung der Schönheit des Holzes jedoch ist atemberaubend. Wer schon einmal das Glück hatte ein Instrument oder Möbel mit dem warmen Glanz des dünnen Überzugs in Händen zu haben, weiß, wovon ich rede, wenn, ja wenn dieser Lack nicht sooooo empfindlich wäre.

Bei akustischen Gitarren ist eine möglichst dünne Lackschicht von Vorteil, denn da schwingt eine ca. 2,5 mm (am Rand auch unter 2 mm) dicke Membran aus Fichte oder Zeder und diese sollte so wenig wie möglich am Schwingen gehindert werden. Boden und Zargen dienen in erster Linie der Reflexion der, in Schwingung gesetzten Luftsäule.

Aber meiner Meinung nach ist der Unterschied zwischen den Lackarten, egal ob Nitro- oder DD(PUR)-Lack nur mini-minimalst - wenn er überhaupt hörbar ist!
Aber: Immer vorausgesetzt, er wurde dünn auf der Decke aufgetragen und nicht nach dem ostasiatischen „tauch mich“ - Verfahren „beschichtet“.
Auch werde ich wahrscheinlich nie die Gelegenheit haben ein und dieselbe Gitarre, einmal mit Nitro- und einmal mit PUR-Lackierung hören. Und selbst, wenn man zwei Gitarren versucht so identisch wie nur möglich zu bauen, wird unser Werkstoff Holz in Nuancen anders klingen und einen Hörtest verfälschen.
Vom „akustischen“ Standpunkt betrachtet ist die dünne Schellack-Lackierung der Decke und die Nitro- oder PUR-Lackoberfläche von Boden, Zargen und Hals eine sehr gute Lösung, aber der Schweiß unseres Unterarms ist das Lösungsmittel für den schönen Glanz der Decke.

Alter Lack? ...Lack ab? ...Lack-Affen? sep.2011

Wenn ich darüber mit Kunden diskutiere, werde ich manchmal das Gefühl nicht los, dass sie mit den Augen „hören“ oder nur weil sie es „im Netz gelesen haben“ und “weil es ja schon früher schon so gemacht wurde“ „ eine vergilbte, gerissene Lackschicht für „resonanter“ halten, etc.

Diese Kundenwünsche oder -nachfrage, veranlasst die Hersteller die verwendeten Lacke bernsteinähnlich einzufärben, damit es nach gealtertem Nitrolack aussieht, auch wenn es Polyester ist. Es soll nur der Schein des traditionellen Handwerks vorgegaukelt werden, des handgemachten und über Jahre eingespielten Instruments!

Eine Decke aus Sitkafichte dunkelt durch UV-Strahlung schneller nach als eine europ. Fichte. Das ist einfach baumartbedingt. Doch der Kunde will häufig sein Bild von „Tradition“ und „früher waren die Gitarren besser“ aufrecht erhalten...aber derselbe Kunde würde nie einen Neuwagen mit ausgeblichenem Lack akzeptieren. Weil die Instrumentenindustrie aber die Psyche ihrer Klientel ausnutzt, gibt man werkseitig der Decke schon einen optischen „Alterungsvorsprung“!

Die Hersteller (mal abgesehen von den Großen der Branche, die ihre alten, hauseigenen Modelle neu auflegen) gaukeln dem Käufer häufig durch „Vintage-Serien“ ein Instrument vor, welches per Hand gemacht wurde. Auch wenn die Gitarre halb von einem Computer gefräst und lackiert wurde, soll der Besitzer glauben, er hätte ein traditionell gefertigtes Instrument in Händen.

Die perversesten Auswüchse dieser Mode sind für mich die unzähligen „Relic-Issues“ (auch aus den Custom-Shops der Großen) und das Angebot an künstlich gerosteten Saitenreitern, abgeschabten Maple-Necks und oxydierten Pickguard-Schrauben. Mann, liebe Konsumenten: Eisenoxyd lässt Euch nicht klingen wie Eric C.! Und wenn Ihr erst 16 Jahre alt seit, könnt Ihr und Eure China-Squier nicht schon 24 Jahre hartes Roadleben hinter sich haben! Ich frage mich, ob solche Leute Musiker sind oder nur das Rock´n Roll - lange Haare-Drugs-and on the road - Klischee bedienen wollen?

In den 50er und 60er Jahren hatte man nicht die Riesenauswahl und ein über lange Zeit erspartes, Instrument wurde für die nächsten Jahrzehnte gespielt.
Heute ist alles schnelllebiger und wenn die gewählte Gitarre nicht direkt den Soundvorstellungen entspricht: Ab in den nächsten Mega-Music-Store oder ein paar Klicks mit der Maus... und schon hat er sich die nächste, ach so günstige, Reisball-Klampfe gekauft. Vielleicht klingt die ja endlich nach einer Gitarre aus abgelagerten Hölzern, die selektiert und handwerklich zum Klingen gebracht wurden. Vielleicht?

Mr. Fender hatte seine genauen Vorstellungen, wie viel Lack aus Kostengründen auf einen Body zu spritzen war. Da wurde gerade soviel Lack aufgetragen, dass man beim Polieren nicht wieder aufs Holz kam. Die Hälfte davon war Füller, weil die Sumpfesche Riesenporen hat. Die Lackierungen wurden von ehemaligen Orangenpflückern oder LKW-Fahrern ausgeführt und der Porenfüller von Frauen mit dicken Gummihandschuhen ins Holz gerieben. Und da trauert der Vintage-Liebhaber der guten, alten Zeit nach? Ich als Handwerker nicht !!

Solidbody und „schwingen“? okt. 2011

Warum wurde eine Brettgitarre erfunden? - weil die dickbauchigen Bigband-Gitarren, ausgestattet mit den ersten Tonabnehmern, ab einer gewissen Lautstärke um die Wette Rückkopplungen produzierten.
An einer Solidbody soll eben dieser physik. Effekt des hohlen Korpus vermieden werden und da fordern schon wieder die Besitzer einer künstlich vermackten Paula eine „hauchdünne Vintage-Nitro-Lackierung“, weil sonst ihre neue E-Rupfe nicht „schwingt“, „den angestrebten Gary Moore-Tone erzeugt, nachdem ihre Top 40-Band schon soooo lange sucht!“, hauchdünn Schwingen bei einer Brettgitarre?
Physikalisch sollte man hier besser von Resonanzen und der Dämpfung von Frequenzen reden und da die, je nach Holzart unterschiedlich sind, klingt die eine Brettgitarre eben mehr so, oder eben so. (...nur die einfache Erklärung)

Aber bitte, bitte nicht sagen: „man höre sofort, dass eine dünne Nitrolackierung freier schwinge!“
Bei einer Brettgitarre mit geschraubtem Hals, beim Abrauchen der 4 x 12“ mit den schönsten AC/DC- Riffs zur Adventszeit.

Ich mag die dicke Polyester-Beschichtung auch nicht, sondern eine angemessene Lackierung, die das Holz vor Umwelteinflüssen schützt und seine natürliche Schönheit betont.
Auch wenn es farbig, sprich deckende Lacke, wird: Porenfüller, eine klare Grundierung und dann weiße Grundierung. Danach zweimal dünn die gewünschte Farbe. Dann folgen mehrere Schichten Klarlack, besonders an den Kanten des Korpus. Zum Beispiel muss man die Rundungen eines Stratbodys öfters lackieren, da man sonst beim Lackschliff vor dem Polieren Gefahr läuft, in die Farbschicht zu schleifen.

ABER: Der dünnste Lack macht aus schlechtem Holz genauso wenig eine ´58 Burst, wie ein Karbon-Kotflügel aus einer 2 CV „Ente“ einen Formel 1- Boliden.

Nur, der Mensch ist halt faul und versucht immer wieder durch Vorspiegeln falscher Tatsachen die Wahrheit zu verbiegen! Er arbeitet nicht an seiner Spieltechnik, sondern versucht sich durch den Kauf des XY-Signature-Models auf direktem Weg in die „Rock´n Roll Hall of Fame“ zu katapultieren. Halbwissend unterstützt von den Homepage-Aussagen der Produzenten.

Irgendwie erinnern mich solche Gedanken an die Zeit, als tennisspielende Schulfreunde ihre Schädel mit Frottee-Stirnbändern nachrüsteten und glaubten, ihr Topspin oder die Rückhand wäre jetzt der von Björn Borg ähnlicher.

Erle? Sumpfesche? Und warum 44 mm? nov.2011

Und dann war da ein Kunde möchte sich eine strat-ähnliche E-Gitarre von mir bauen lassen und zu Beginn des Projektes stellt er mir die Frage, zu welchem Korpusholz ich ihm raten würde:
Swamp Ash oder Alder , die amerikanische, nicht so dichte, also auch leichtere Esche oder zur Erle.

„Ausprobieren!“, ist meine Antwort ... und ich reiche ihm nacheinander meine Strat mit Erlenkorpus und die aus Esche, Ahornhals mit 5 mm Palisander, gleiche Hardware, Häussel-Blues-Set mit baseplate am Steg. Einziger Unterschied: Eine ist rot , die andere baby-blau!
Nach zwei, dreimal hin und her Getausche hält er die Erlen-Variante für „knackiger“ (bei gleicher Einstellung des Twin Reverb). Sein persönlicher Höreindruck, kontrovers zur allgemeinen „ Fachmeinung“. Ich konnte ihm nur zustimmen! War die verbaute Erle härter, stand die Esche zu lange im Sumpf, hatte der Holzfäller die falsche Schuhgröße?

Normalerweise traut man der allgemeinen Meinung (Gitarristen-Vintage-Gras-wachsen-Hörer-Meinung) ist es mit den beiden Hölzern genau anders herum. Und es stimmt auch:
Die Esche kommt meistens (!) knackiger, direkter. Meistens!

Manchmal reicht aber auch schon meine beiden Strats OHNE Angabe des Korpusholz testen zu lassen: Alle Tester fanden:“Beide klingen glockenartig nach Strat!“ ist dann die meist die einhellige Meinung. Doch wenn ich dann die Holzart preisgebe, geht es los:
„Jaaa, die rote, die ist eine Idee (!) mittiger (!) und die blaue, jaaa die hat mehr "Attack“ wiederholt der Gras-wachsen-Hörer gebetsmühlenartig die verbreitete Halbwissen-Meinung.

Aber hier sieht man es wieder: Holz ist kein homogener Werkstoff und zu viele Parameter vermasseln so manche Expertise. Standort des Baumes (Bodenstruktur, Wasserversorgung, geografische Herkunft) ist ein wichtiger Faktor. Die gleichen Gedanken kommen mir zu Ahorn...
Und bei dieser Holzart wirkt sich die Herkunft (Höhenholz oder Flachland) UND die Art (Berg-, Spitz-, Feldahorn) noch mehr auf seine physikalischen Eigenschaften aus. Und das bei einem so klangprägenden Bauteil wie dem Hals!

Mr. Fender hatte mal wieder wirtschaftliche Hintergründe bei der Holzauswahl: Als die Telecaster auf den Markt kam, schmückte sie die leicht transparente, blonde Lackierung, und so griff er auf die dekorativ gemaserte Esche zurück. Als dann ´54 die Strat an den Start ging, blieb man der Holzart treu (Mr. Fender konnte bei der erhöhten Abnahme bei seinem Holzhändler noch größere Rabatte herausschlagen).
Als dann ein Engpass bei der Beschaffung der leichten Esche auftrat und teuerer wurde, musste eine Alternative gefunden werden und man wandte sich der Erle zu. Wieder hatte die Wahl wirtschaftliche und KEINE klangliche Gründe: Erle, leichter zu bearbeiten, weil weicher. Die Poren mussten nicht mehr so aufwändig vor dem Lackieren gefüllt werden, da Erle sehr feinporig ist. Fender hat auch für Strats Pappel und Linde bei Lieferengpässen genommen.

Hauptsache ein Holz, was in größeren Mengen fix zu beschaffen, feinporig und industriell gut zu verarbeiten war. Bei der mechanischen Bearbeitung darf es nicht so schnell ausreißen und die Schrauben der Hardware müssen ausreichend Halt finden.

Da hat keiner bei Sumpfesche oder Erle oder Pappel an „Tonentfaltung“ gedacht!

Und die 43-44 mm Korpusdicke?
Ganz einfach: In Amerika ist eine gängige Rohbrettstärke 2 Zoll, also ca. 50 mm. Die Weiterverarbeitung war Auftrennen, eine Fläche und eine Kante zum Verleimen auf der Abrichte hobeln (47 mm Reststärke), Teile verleimen, Fläche abrichten (45 mm) und von Dicke hobeln (43 - 44 mm Endstärke).
Also: Bloß keinen Arbeitsschritt zu viel der wieder Kosten verursachen könnte! Einfache Arbeitsschritte, denn die Arbeiter waren alles andere als Gitarrenbauer. Gestern Orangenpflücken, heute Bünde in Schlitze hämmern. Ist da ein Unterschied? - nicht in Ami-Land!
Außerdem war der Dreifach-Schalter schon 30 mm hoch, plus Luft für die angelöteten Kabel macht eine Frästiefe von 38 für das E-Fach und ein bisschen Holz (6mm) auf der Rückseite musste ja noch stehen bleiben.

Woraus baue ich bald Gitarren? Tropenholz? Alternativen? dez.2011

Was mir als Handwerker bei solchen Fragen immer durch den Kopf geht, ist der Umstand, dass unser Sortiment an Hölzern im Gitarrenbau sich sein den Zeiten von Torres (1817-1892) kaum nennenswert geändert hat. Er nutzte die Hölzer, die zu dieser Zeit für den Gitarrenbau bewährt waren und die er von seiner Arbeit als Tischler kannte. Für den Korpus hauptsächlich Ahorn, Zypresse und Rio-Palisander. Die Fichte musste zu dieser Zeit nach Spanien importiert werden und war in Instrumentenqualität so schwer zu beschaffen, dass Torres sogar Decken aus bis zu 4 oder mehr Teilen machte, Hauptsache die Teile hatten annähernd den gleichen Faserverlauf.
Torres hat Teile aus Balken verwendet, wenn sie ihm geeignet erschienen. Ebenso „recycelte“ er Teile von Möbeln. Rio-Palisander wurde je nach Beschaffbarkeit verwendet und die kurzlebigen Flamenco-Gitarren seiner Zeit hatten Korpen aus Zypresse. Als Hals verwendete er jedoch meistens Cedro (span. Zeder), welches aus den span. Kolonien in der Karibik stammte.

Ich habe erst kürzlich mit dem Bau von akustischen Gitarren begonnen, aber schon in den letzten zwanzig Jahren etliche repariert. Als ich daran ging das Holz für meine „Erste“ auszusuchen, konnte auch ich der Versuchung nicht wiederstehen: Es sollte ein Korpus aus Rio-Palisander sein! Wissend, dass es zertifiziertes Holz ist, beruhigte ich mein schlechtes Gewissen.

Ich hatte die Gelegenheit bei der Holzauswahl auf ein breites Angebot zugreifen zu können. Ich konnte praktisch viele Alternativen in die Hand nehmen, biegen, anhobeln, ans Ohr halten und klopfen. Eine feinjährige Fichtendecke, zehn Jahre alt, absolut trocken gibt einen schönen „dong“ als Klopfton ab, dagegen eine 16 Jahre alte, etwas gröbere Ringe ein „deng“. Warum?- Ganz einfach: Das Harz in den Zellen ist nach Verdunsten des Terpentinanteils ausgehärtet und macht den Klopfton obertonreicher. Die Industrie kann zwar ihr Holz kontrolliert runtertrocknen, aber für den letzten Reifeprozess bleibt keine Zeit!

In meinem Holzlager finden sich mittlerweile ein großer Teil der Hölzer, die für den Bau von Gitarren, egal ob E- oder akust.- Gitarren, in Frage kommen.
Ich spreche hier im Besonderen nicht von „Tonhölzern“, sondern von Hölzern, die sich für den Bau von Instrumenten eignen. Als Schreiner betrachte ich Erle oder Esche nicht als Tonhölzer, sondern als ganz normale Materialien für den Möbelbau oder anderen Verwendungen für die sie schon seit Jahrhunderten verwendet wurden. Auch das in so mancher Ebay-Auktion als Tonholz angepriesene Sipo war für mich seit der Lehre ein Holz für den Fensterbau in den 70ern und als Holz für aufgesattelte Treppenstufen bekannt. Und das ach so tolle „Korina“ (ich lach mich jedes Mal über die Gibson-Wortschöpfung schlapp), welches jeder Schreiner in den 60ern kubikmeterweise für alle möglichen Arbeiten verwendet hat: Limba, nichts anderes als Limba! Furnier für Millionen von Zimmertüren oder Aktenschränken, Unterkonstruktionen, Treppengeländern etc. etc. Wenn mein Lehrmeister eine einfache Leiste zugeschnitten haben wollte, sagte er: „Nähh, nich’ Kiefer! Watt soll datt kosten? - Nimm watt Limba!“. Wenn Limba heute als schwer beschaffbar gilt, liegt es an der geringen Nachfrage des Schreiners oder Möbelindustrie und dem deshalb zurückgehenden Import. Kein Holzhändler legt sich Ladenhüter hin. Also ist es rar! Rares „Tonholz“! (ich lach mich schon wieder schlapp).

Warum ich über so was nachdenke? Nun, Tonholz hin, Orangenkiste her: Ein Holz wird durch seine Eigenschaften (Dichte, Härte, Elastizität) für die ein oder andere Aufgabe genutzt für Gitarren zählt noch, wie maß- und formstabil ist es und wie gut lässt es sich mit Handwerkzeug bearbeiten, biegen und last, but not least: Sieht es auch ästhetisch aus? Nur: Was macht dann Erle zu einem angeblichen „Tonholz“? Das es für einen kalifornischen Radiotechniker, der Gitarren baute, billig zu beschaffen und deckend zu lackieren war?
Oft ist der Voodoo um so manches „Tonholz“ nicht zu verstehen! Es muss doch darum gehen einen Werkstoff danach auszusuchen, welche Aufgabe er in einer Konstruktion erfüllen soll - egal ob in einem Gartenzaun oder in einem Musikinstrument.

Worauf ich hinaus will, ist die Zukunft für den Gitarrenbau und seine Werkstoffe. Auch wenn ich meine erste Steelstring aus Rio-Palisander gebaut habe, ist es richtig, dass seine Verwendung und gerade die Herkunft so stark reglementiert wird. Seine Klangeigenschaften konnte ich mit vielen Ersatzhölzern wie ostind. Palisander oder Pau Ferro, Cocobolo oder Madagaskar Palisander vergleichen: Seine Wiedergabe der Höhen ist schon bemerkenswert! Aber rechtfertigt es diesen Hype, der um dieses Holz gemacht wird?
Ostinder wird mittlerweile in Wechsel mit Teak in Plantagen angebaut, aber die genannten Exoten stehen kurz vor der Ausrottung. Der Handel funktioniert zwar mit offiziell legitimen Papieren, aber dieses ist bekanntlich sehr geduldig! Bekannt ist auch, dass die Moral und Rechtsempfinden wenn es um das schnelle Geld geht, in den Herkunftsländern dieser Hölzer, nicht sehr gut bestellt ist.
Ebenso klebt wohl an so manchem Gitarrenhals aus Honduras Mahagoni (Swietenia Macrophylla) oder anderen Gitarrenhölzern aus Mittelamerika Blut: Als in Nicaragua, Honduras und Guatemala die Bürgerkriege tobten, um kommunistisch orientierte Regime zu vertreiben, hatte der große, kapitalistische Bruder aus dem Norden nichts besseres zu tun, als die Contras und andere Guerrilias mit Waffen zu versorgen. Und als Bezahlung u.a. ... Holz!
Und wenn ich dann noch daran denke, das gerade der Hersteller mit dem großen „G“ immer noch Einteiler aus eben dieser Mahagoni-Art anbietet, wird mir schlecht!

Warum nicht vermehrt Hälse aus Cedro verwenden, so wie es Torres nur gemacht hat.
Martin und andere Hersteller von Steelstrings haben im 19. Jh. auf das steifere Mahagoni gesetzt, aber das war VOR der Einführung des Stahlstabes in den 20ern und natürlich mit angesetzter Kopfplatte (hält sowieso besser, wegen des besseren Faserverlaufs).
Taylor geht, wie schon einige andere Hersteller, zu mehrstreifigen Hälsen über. Holz oder Holzersatzstoffe, wie Hälse aus Graphit, oder weichere Hölzer mit Kohlefaser verstärkt (Verbundwerkstoffe) sind eine andere Möglichkeit.
Griffbretter aus „micarta“ haben bei den Einsteigermodellen von Martin Einzug gehalten. Der Phenolharzwerkstoff kann sehr gut als Ebenholzersatz für Steg und Griffbrett verwendet werden.
Und wenn es nur um die Härte des Ebenholzes geht, sprich für Griffbretter und Stege in der günstigeren Gitarren-Preislage, sollten sie meiner Meinung nach bald sehr breite Anwendung finden.

Früher dachte ich auch immer, Ebenholz wäre soooo toll für Stege, aber als ich mir als ich mir Stegrohlinge bei einem Großhändler aussuchte, benötigte ich einige Zeit bis ich klanglich findig wurde. Es waren an die 50 Rohlinge, 160 x 40 x 16 mm, aus Palisander und Ebenholz, die ich durchprobierte, bis ich 5 Stück beisammen hatte. Die Ebenholzteile machten allesamt nur „pock“ oder „teck“ als Klopfgeräusch mit dem Fingernagel. Die einzigen, denen ein „ping“ oder sogar ein helles „pling“ zu entlocken war, waren aus Palisander.
Es bewahrheitete sich auch hier die Meinung, das Palisander mehr die Höhen betont und Ebenholz mehr komprimiert, aber auch die Unterschiede bei gleichen Holzarten. Bei den Rohlingen waren sie deutlich hörbar: Manche blieben einfach tonal „stumm“, andere des gleichen Holzes „sprühten“ vor Obertönen.
Für den einzelnen Gitarrenbauer ist es wichtig, dass die Ersatzwerkstoffe mit den selben Handwerkzeugen und E-Handmaschinen zu bearbeiten sind, wie die traditionellen Hölzer.
In der Schreinerei ist schon seit langem die Ver- und Bearbeitung von Corian (Phenolharzwerkstoff für die Herstellung von Arbeitsplatten in Küchen) gängige Routine und wird auch für Stege und Griffbretter mal Usus sein.

Auch könnte Bambus ein Werkstoff der Zukunft im Gitarrenbau sein. Die Plattenwerkstoff-Industrie bastelt an Möbelplatten aus dem schnellnachwachsenden Gras. Dünn ausgeschliffen könnten sie für Zargen und Böden genutzt werden. Durch die langen Fasern ist Bambus biegsam und von seiner Dichte her sehr hart.

Mein Tutor Armin wird mich wieder killen: Ich mag Nussbaum, besonders seine geriegelten Variationen. Armin wird wieder unken,“Ei, des Zeusch nimmscht nur für Gewährschäft! ...zur Dämpfung! Da bringscht keine Höhen nei!"
Aber ich werde es bei einer meiner nächsten Steelstrings versuchen. Vom Bau unseres Esstisch ist noch das ein oder andere Stück über. Amerikanische Schwarznuß, schlicht gemasert, weil Mittelbrett. Innen werde ich sehr fein runter schleifen, um den Höhen so viel wie möglich Reflexion zu geben. Mal sehen wie sie sich anhört.
Oder eine Dreadnought aus Kirsche. Ich habe einen Boden/Zargensatz aus Mittenwald mitgebracht, der schon locker 25 Jahre beim Händler gelegen haben muss, gefunden in der hintersten Ecke des Lagers, mit Ölkreide datiert auf 02/82.
Walnuss, Kirsche und Ahorn sind einheimische Hölzer, die schon in den letzten 200 Jahren als Korpusmaterial gute Dienste verrichtet haben.
Genauso werde ich einen Korpus aus Zwetschge machen. Das Obstholz ich zwar schwer zu biegen, aber ein wunderschön, dichtes Holz, welches ich schon häufig für sehr gute Griffbretter verarbeitet habe.
Immer dem heiligen Gral des Rio-Palisanders nachzutrauern kann nicht zukunftsweisend sein und auch der Gitarrist muss sich damit abfinden, dass der Raubbau früherer Generationen nur durch eine gewisse Form von Enthaltsamkeit zu bezahlen ist.