Die Saite

Dirk Jungbluth - Gitarrenbau seit 1988

Ukulelen


Die glorreichen „Fünf“ mit vier Saiten!
...es ist unglaublich, wie weit im Mai noch alles entfernt schien.
Aber urplötzlich war es Anfang Oktober.....

Die letzten Septemberwochen waren geprägt von den Vorbereitungen für einen außergewöhnlichen Workshop.
O.K.- Ukulelenbau-Workshops habe ich schon einige hinter mir. Aber alle in Mülheim, alle in der Nähe oder in meiner Werkstatt selbst. Jetzt hieß es aber : Ab ins Kloster St. Maria, Esthal, Pfälzer Wald. Alle Arbeitsschritte vorplanen, alles an Werkzeug und Material ins Auto packen. Der geistliche Beistand des Ordens der Niederbronner Schwestern war uns gewiss, aber ein vergessenes Werkstück war durch Beten nicht zu ersetzen.
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Das Teilnehmerfeld war gut verteilt und alleine schon die Vorgespräche, bzw. der Mailverkehr der Gruppe wurden immer lebhafter, je näher der 09. Oktober rückte.

Von einer Frau mit Durchblick (Radiologin), über einen Walddorf-Schüler aus der 10., einem Pärchen aus einem nördlichen Zipfel Bayerns und einer Schwarzwälderin mit Zigarrenkisten-Ukulelen-Bau-Erfahrung.....eine bunte, vielversprechende Truppe.

Dann natürlich das Kloster als Seminarort: Kloster St. Maria in Esthal, einer kleinen Gemeinde mitten im Pfälzer Wald. Eine Straße führt hinein und nur diese auch wieder heraus. Das Kloster, abseits des Dorfes gelegen ist aus dem Jahr 1952, schlicht gebaut, umgeben von einer Mauer und Streuobstwiesen. 2013 renoviert und teilweise umgebaut, beherbergt es 9 Schwestern.
Die Gästezimmer sind schlicht, wie es sich für ein Kloster gehört und das Beste der gesamten Anlage: Wenn man die Klosterpforte hinter sich gelassen hat, beginnt sofort eine gefühlte Zone der Ruhe.
Automatisch fährt man runter und wird leise. Wenn man dann auch schon von einem offenen, freundlichen Gesicht einer Schwester empfangen wird, bleibt einem nur eines übrig: Sich auf eine kleine, andere Welt einlassen !
Eine Welt, die die Basis für eine kreative Woche voller Erlebnisse sein wird.

In den vergangenen Wochen haben alle Ukulelenbesessene ihre Materialwünsche geäußert und ich habe die Teile soweit vorbereitet, daß dem Bauerfolg auch für Anfänger nichts im Wege stehen sollte ...sollte !!!
Erstes Problem lag dann nicht auch nicht dort begraben, sondern , daß sich die Zylinderkopfdichtung meines Autos keine Lust mehr hatte dicht zu halten und ich mir einen Leihwagen nehmen musste. Der Laderaum war dann auch bis oben hin vollgepackt. Keine Lücke blieb ungenutzt und selbst der Beifahrersitz war mit Werkzeug oder anderem Kram belegt.

Als ich am Sonntagnachmittag im Kloster ankam, hatte der Hausmeister ganze Arbeit geleistet:
Der gebuchte Seminarraum hatte sich in ein Ukulelenbau-Studio gewandelt...mit einem Arbeitstisch für jeden Teilnehmer und reichlich Platz für den anderen Kram, den man halt so braucht.
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Kurz: Die Rahmenbedingungen sind top.

Bis zum Abend trafen alle Baumeister ein und nach dem ersten Arbeitsabendessen haben wir uns in aller Ruhe mit dem Progamm und Ablauf der nächsten Tage beschäftigt.

Jeder war gespannt auf sein Material, seinen Arbeitsplatz, das Werkzeug und, und, und... Nervosität des Neuen gepaart mit der Vorfreude sein eigenes Instrument zu bauen. Da lagen die gebogenen Zargenkränze aus Ovangkol, Zebrano, Pau Ferro, Sapeli und Riegelahorn. Daneben die Cedro-Hälse und die Deckenrohlinge aus gehaselter Fichte aus Mittenwald.
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Alles in Allem beste Voraussetzungen für gute Instrumente.

In den nächsten Tagen war das volle Programm des Ukulelenbaus zu bewältigen. Da wurde gefräst und geraspelt, was das Zeug hielt. Die Späne flogen und langsam bekam der Fußboden eine leichte Staubschicht. Aber nicht nur der, sondern auch unmerklich die Zungenspitze: Der würzige Duft von Cedro machte sich breit, als die Hälse bearbeitet wurden und durch den Flur vor dem Seminarraum
waberte der Geruch dieses karibischen Holzes. Einiger Nachteil : Cedro hinterlässt auf der Zunge einen intensiv bitteren Geschmack. Es wurde also vermieden zu tief einzuatmen oder gar an den Fingern zu lutschen. Man freute sich auf unweigerlich auf die nächste Mahlzeit. Nur mit Wasser spülen reichte oft nicht aus.

Apropos Mahlzeit: Die Klosterküche lies keine Wünsche offen. Ein reichhaltiges Frühstücksbuffet, ein gutes, abwechselungsreiches Mittagessen, ein Stück Kuchen zum Nachmittag und Abends eine Mischung aus einer warmen Kleinigkeit, Salaten und Broten. Vegetarisch kein Problem und wenn man Bescheid sagte, war Schonkost, glutenfrei und Diabetiker gerecht vorzubestellen.

Nach den ersten Stunden war schon die Unsicherheit i. B. falschen Werkzeuggebrauchs einigermaßen gebannt und es wurde von Einheit zu Einheit mit zunehmender Sicherheit gearbeitet. Die Kopfplatten nahmen Form an und jeder bestach durch sein eigenes Design. Vorgabe war nur die fachgerechte Plazierung der Mechanikachsen und der ordentliche Saitenverlauf. Jeder hatte sich schon im Vorfeld Gedanken gemacht und jetzt war nur noch Feintunig nötig. Auch die tollsten Einlegearbeiten kamen ans Tageslicht und Sabine entwickelte sich zur wahren „Herrscherin der Vögel“.....Jakob feilte mal eben aus Abalone-Perlmutter ein stilisiertes „ J“, als hätte er nie etwas anderes gemacht.
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Langsam, aber unaufhaltsam, ging es auf Freitag zu. Die Binding-Falz an Decke und Boden war gefräst. Die Fingergeschicklichkeit wurde jetzt aber richtig auf die Probe gestellt: Es ging ans Biegen des Palisanderbinding am Biegeeisen. Als Tauchbecken zum Wässern der Holzstreifen diente eine Lampenschale, die der Hausmeister flux organisierte.
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Die dünnen Streifen erwiesen sich als recht widerspenstig und aus runden Formen wurde sehr schnell eckige, gebrochene Holzränder....und es wurde wieder ganz“ unklösterlich“ geflucht, was sonst nur dem Berufsstand der Kesselflicker nachgesagt wird.
Die Finger bis übers Handgelenk in Leim getaucht, wurden dann die Streifen mittels gelbem Klebeband an Ort und Stelle „gebeppt“ ( wie man im Schwarzwald zum Kleben sagt) und dann mit der Ziehklinge sauber beigearbeitet. Der Jakob erwies sich da als Schnellster.
Alle Uke´s sind im Rohbau fertig geworden und zu Hause brauchte ich nur die Griffbretter in Ruhe aufbringen. Das wäre in der geplanten Klosterzeit nicht möglich gewesen.
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Aber: 2017 geht alles in die zweite Runde!!

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Eine Thunfischdose macht Musik
Was ein Gitarrenbauer aus Mülheim unter Nachhaltigkeit und Nachwuchsförderung versteht

Seit Jahren engagiert sich der Mülheimer Tischlermeister und Gitarrenbauer Dirk Jungbluth, 51, als ehrenamtlicher Mitarbeiter an der Max-Kölges-Schule am Dichterviertel – Partnerschule des Handwerks. So bauten z. B. im Jahr 2011 unter seiner Leitung Jungen des achten Jahrgangs in einem Workshop Ukulelen. Jetzt geht es im Rahmen eines ”Nachhaltigkeits-Projekts" wieder um Musikinstrumente. Dieses mal sind es aber keine gewöhnlichen Ukulelen – dieses mal bauen die motivierten Schüler so genannte Tunalelen. Der Korpus ist aus leeren Thunfischkonserven, der Hals aus recycleten Fensterkanteln. “Die Dosen haben wir freundlicherweise von der Firma Followfish geschenkt bekommen und die Hälse machen wir aus recycleten Fensterkanteln”, so Jungbluth.

Den Bau der weltweit ersten Tunalele hat die für nachhaltigen Thunfischfang bekannte Firma Followfish mit ihrer Werbeagentur ins Leben gerufen. Mit der Tunalele soll die Idee der Nachhaltigkeit musikalisch in die Welt getragen werden. Der Musiker Duncan Townsend spielt auf der Tunalele mit bekannten und weniger bekannten Bands. Die Spots werden auf www.tunatunes.de eingestellt. Jungbluth sah die Clips, war sofort begeistert und nahm Kontakt zum Gitarrenbauer-Kollegen Carsten Schnoor in Hamburg auf. “Von ihm habe ich einige wichtige Baumerkmale der Tunalele bekommen.”

Über zwei Monate raspelten, feiten, hobelten, sägten, bohrten, leimten und lackierten die Schüler im Wahl-Pflicht-Bereich an ihren Instrumenten. Alperen Erkek 8a, Metin Bölükbasi 9b, Robin Ndombe 9b, Pattrick Denzer 9b, Oliver Junk 10a und Florian Kauert 10a haben beim Bau der Instrumente den Umgang mit Werkzeugen und die Fähigkeit gelernt, auf den Millimeter genau zu arbeiten. “Sie haben auch ihre Kenntnisse in Mathematik, Chemie und Physik erweitert. Ebenso braucht man zum Bau einer Ukulele die praktische Anwendung von Geometrie, Dreisatz- und Prozentrechnung wie auch Kenntnisse über die Beschaffenheit von Holz, Lack und Leim”, beschreibt Meister Jungbluth den pädagogischen und praktischen Mehrwert der Arbeit.
Der WDR ist Anfang April mit einem Filmteam vor Ort. Am 14. Mai werden die Ergebnisse des Projekts der Presse präsentiert.

Hier ein Link auf ein Video mit Michael Fix: http://youtu.be/YPxqDKZZrWI

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Dank ehrenamtlichen Engagements und zahlreichen Sponsoren konnte das Thema Nachhaltigkeit lebendig und unkompliziert umgesetzt werden – und das auch noch mit so viel Spaß. Das Projekt wurde von Marlies Rustemeyer vom Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) als Ziel-Projekt betreut. Für Pressearbeit und Organisation zeichnet Christine Stehle vom stehle-teXt verantwortlich.

Die Sponsoren des Projekts in fast alphabetischer Reihenfolge:
Dirk Jungbluth: Gitarrenbauer, Schreinermeister und Workshopleiter Armin Dreyer: 6 fertig geschlitzte Griffbretter Followfish: Thunfischdosen für die Ukulelen und Catering Martina Gollnik: Manual Art Arbeitszeit für die Lederbänder
Peter Hufschmidt: Fotos Musikaliengroßhändler Knauer: 6 Anklemm-Stimmgeräte Christine Stehle: stehle-teXt Pressearbeit und Organisation Unternehmensgruppe Tengelmann: Spende für Materialien Richard James Winter: Piezo Tonabanehmer zum kleinen Preis und einen gratis
Zauberküche: Catering Max-Kölges-Schule am Dichterviertel – Partnerschule des Handwerks
© stehle-teXt www.stehle-text.de 0173/24 17 266
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